Deutsche Literaturtage in Reschitza

Präsentation

(Für Bilder und Details bitte die einzelnen Auflagen im linken Navigationsmenü anzuklicken!)

Es war an einem Freitag, dem 9. Juni 1991, als Erwin Josef Ţigla die ersten Reschitzaer Deutschen Literaturtage mit dem Motto „Lasst uns doch heute ein Apfelbäumchen pflanzen, auch wenn das Deutschtum in Rumänien morgen untergeht”, Worte von Hannelore Baier, die aus der „Allgemeinen Deutschen Zeitung“ entnommen wurden, eröffnete. Auf die vergangenen Auflagen zurückblickend kann man feststellen, dass es sich seitdem ausgezahlt hat, sich dafür einzusetzen, der fünften deutschen Literatur Europas eine neue Chance zu geben. Das Apfelbäumchen von 1991 trägt heute Früchte, ja man kann sagen, Früchte der Hoffnung und Zuversicht. Das dank zahlreicher Teilnahmen, des Mitwirkens und der Einsatzbereitschaft.

Wie kam es damals zu den ersten Literaturtagen in Reschitza? Alles begann mit der Teilnahme Erwin Josef Ţiglas in Ungarn an einem Symposium, von der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher in der Zeitspanne 1. - 6. April 1991 in Budapest und Fünfkirchen organisiert. Ţigla hatte damals die Möglichkeit, mit mehreren Schriftstellern unserer Landsleute in Ungarn zusammenzukommen, über Kultur- und Literaturprobleme zu diskutieren. Mit ihm war auch Marius Koity, damals einer, der zur zukunftsorientierten neuen rumäniendeutschen Schriftstellergeneration gehörte. Als Schlussfolgerung einiger Rundtischgespräche kam Ţigla die Idee, ein Symposium zum Thema deutsche Literatur in Reschitza zu veranstalten. Erste Kontakte wurden bereits in Ungarn geknüpft, weitere Organisationsfragen auf der Heimreise und in Reschitza erörtert. Die Idee fasste Fuß und die ersten Organisierungsaktionen begannen.

Da alles auf einem „neuen” Boden Wurzeln fassen musste, (Reschitza war damals von niemandem als ein rumäniendeutsches Literaturzentrum bekannt bzw. anerkannt, noch dachte man, dass es eines werde), sahen viele die Reschitzaer Bemühungen als Don Quijottes Kampf mit den Windmühlen. „Was sucht so ein Symposium in Reschitza“? „Hat es noch einen Sinn, wo ja sowieso alle schon ausgewandert sind?”. „Wo gibt es noch deutsche Schriftsteller in Rumänien? Das ist alles ein Wahnsinn!”. Das war die allgemeine Stimmung damals. Diese Stimmen mussten überwunden werden.

Es kam auch der 7. Juni 1991, der Tag der festlichen Eröffnung der ersten „Deutschen Literaturtage in Reschitza”. Drei Teilnehmer von auswärts waren dabei, zwei aus Ungarn und einer aus Temeswar und selbstverständlich viele Reschitzarer. Und diese erste Auflage hatte Erfolg und munterte auf, weiterzumachen.

Seit dann, Jahr für Jahr, wird diese literarische Veranstaltungsreihe fortgesetzt, nicht ohne Erfolge! Die bis jetzt stattgefundenen Auflagen und die jeweiligen Themen sind die folgenden:

  • I. Auflage, 7. - 9. Juni 1991: „Alexander Tietz”.
  • II. Auflage, 19. - 21. Juni 1992: „Rolf Bossert”.
  • III. Auflage, 11. - 13. Juni 1993: „Otto Alscher - Peter Rosegger”.
  • IV. Auflage, 10. - 12. Juni 1994: „Von Sprache zu Sprache - Literaturvermittler und Übersetzer”.
  • V. Auflage, 19. - 21. Mai 1995: „Rumäniendeutsche Literatur nach 1945”.
  • VI. Auflage, 10. - 12. Mai 1996: „Rumäniendeutsches Literatur- und Kulturgeschehen nach 1989”.
  • VII. Auflage, 2. - 4. Mai 1997: „Menschen und Landschaften im Banater Bergland. Berühmte Reisende, berühmte Dichter“.
  • VIII. Auflage, 1. - 3. Mai 1998: „Alexander Tietz und seine Welt. Zum 100. Geburtstag des Reschitzaer Volkskundlers und Pädagogen” und „So lacht man bei uns. Rumäniendeutscher Humor, früher und heute”.
  • IX. Auflage, 30. April - 2. Mai 1999: „Laut und Leise. Unbekannte Dichtung und Dokumente der rumäniendeutschen Literatur”.
  • X. Auflage, 19. - 21. Mai 2000: „Die rumäniendeutsche Literatur und das Banater Bergland” und „Zehn Mal Deutsche Literaturtage in Reschitza”.
  • XI. Auflage, 27. - 29. April 2001: „Sprache und Literatur. Vergangenheit bergen, Gegenwart spiegeln, Zukunft erahnen“.
  • XII. Auflage, 26. - 28. April 2002: „Dichten und Deuten im mehrsprachigen Kulturraum“.
  • XIII. Auflage, 2. - 4. Mai 2003: „Erleben und erinnern. Stoff und Ausdruck literarischen Schaffens“ und „Der Übersetzer zwischen Dichten und Deuten“.
  • XIV. Auflage, 30. April - 2. Mai 2004: Vorstellung der Anthologie „Aufs Wort gebaut. Deutsche Autoren in Rumänien“ und Rundtischgespräch „Wie weiter mit der 5. deutschen Literatur?“.
  • XV. Auflage, 22. - 24. April 2005: „Der Standort des Erzählers“.
  • XVI. Auflage, 5. - 7. Mai 2006: „Europa näher denn je. Literarische Bestimmungen der Lage“.
  • XVII. Auflage, 4. - 6. Mai 2007: „Heimat und weite Welt“.
  • XVIII. Auflage, 18. - 20. April 2008: „Buchpräsentationen und Autorenlesungen“.
  • XIX. Auflage, 15. - 17. Mai 2009: „Deutsche Literatur in Südosteuropa“.
  • XX. Auflage, 7. - 9. Mai 2010: „Deutsche Literatur in Südosteuropa, II“.
  • XXI. Auflage, 13. - 15. Mai 2011: „Deutsche Literatur in Südosteuropa, III“.
  • XXII. Auflage, 6. - 8. Mai 2012: „Am Weltbuckel und anderswo. Lebensstätten von Schriftstellern, Schauplätze ihrer Schilderungen”.
  • XXIII. Auflage, 26. - 29. April 2013: „Hierhin, dorthin. Geschichten, die das Leben schrieb"
  • XXIV. Auflage, 11. - 13. April 2014: „Begegnung im Wort der Literatur"

Namhafte Repräsentanten der rumäniendeutschen Literaturszene, Germanisten und Literaturwissenschaftler, aber auch weitere Interessierten an der deutsche Literatur aus Deutschland, Frankreich, Kroatien, Österreich, Rumänien, Serbien, Slowenien, der Ukraine und aus Ungarn nahmen daran teil.

Selbstverständlich war es nicht leicht, sich durchzukämpfen. Ja, gut gesagt: durchzukämpfen durch das Labyrinth verschiedener Ideen und Vorkonzeptionen. Der Begriff Reschitzaer Literaturtage hat sich in der Zwischenzeit in Rumänien durchgesetzt! Die Rumäniendeutschen haben ihre Literaturtage, die einzigen übrigens in solcher Art, veranstaltet.

Unsere Minderheit verfügt in Reschitza, durch die Literaturtage angespornt, über eine Dokumentationsstelle „Bücher der Rumäniendeutschen, Rumäniendeutsche Bücher. 1990 - bis jetzt”, wie sich in Rumänien nur hier eine finden lässt. Durch die Literaturtage wurde auch die Initiative angespornt, Bücher herauszugeben. In der Zwischenzeit hat der Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza” 57 Titel veröffentlicht. Und nicht zuletzt, dank der Literaturtage, hat Reschitza sich einen ehrwürdigen Namen im Kulturleben der Rumäniendeutschen erworben. Wenn man nur all diese bevor erwähnten Errungenschaften in Betracht nimmt, so kann man zufrieden feststellen, dass es sich gelohnt hat. Wird es sich auch weiterhin lohnen? Ja, denn solange man diese Literaturtage sucht und auch findet, solange man davon spricht und erzählt (nicht nur während der Veranstaltungszeit, sondern das ganze Jahr hindurch), solange sie erwünscht sind, werden sie auch in Zukunft veranstaltet.

Die deutsche Literatur in Rumänien blüht weiter auch Dank der „Deutschen Literaturtage in Reschitza“!