"Alexander Tietz"-Preisträger 2003-1999

Preisträger 2003

Heinz Stritzl, Klagenfurt, Österreich

LEBENSLAUF Heinz Stritzl

Am 27. Dezember 1921 wurde ich in Unzmarkt als Sohn eines Eisenbahnbeamten geboren. Meine Wurzeln väterlicherseits reichen in die Gottschee und in das Drautal, mütterlicherseits stamme ich von einer deutschen Burgenländerin ab.
Meine Kindheit verbrachte ich in der Obersteiermark. Sie verlief überaus glücklich, und ich bin heute noch meinen Eltern für ihre Aufgeschlossenheit dankbar. Der Zufall fügte es, dass meine Volksschullehrerin, Maria Erker, eine gebürtige Gottscheerin war. So lernte ich schon früh meine gut-altösterreichische Abstammung kennen. Nach dem frühen Tod meines Vaters 1933 übersiedelte die Familie nach Gleisdorf bei Graz. Als Fahrschüler pendelte ich in die steirische Hauptstadt, wo ich das Lichtenfels-Realgymnasium besuchte.

Wieder war es ein Zufall, dass mein Latein-Professor Großneffe von Adalbert Stifter war. Ein weiterer Glücksumstand fügte es, dass mein Geschichte-Professor uns mit den deutschen Sprachinseln von Eupen - Malmedy bis zum Banat, Siebenbürgen und Dobrudscha, bekannt machte.
Nach der Matura, 1940, rückte ich als Kriegsfreiwilliger zum Gebirgsjägerregiment 136 in Wörgl (Tirol) ein. Im März 1941 ging es über Ungarn und Rumänien - damals lernte ich durch einen Kriegskameraden erstmals Hermannstadt kennen - nach Bulgarien und Griechenland. Als Gebirgsjäger wurden wir in der guten alten Ju 52 zur Eroberung nach Kreta geflogen. Wieder auf das Festland zurückgekehrt, erkrankte ich an einer schweren Ruhr und wurde mit einem Lazarettschiff von Piräus nach Saloniki transportiert.
Auf dem Weitertransport per Bahn sah ich in Jugoslawien die ersten zweisprachigen Aufschriften. Skopje trug noch den alten türkischen Namen Üsküb. Weitere militärische Stationen waren die Eismeerfront, der Besuch der Kriegsschule Wiener Neustadt, die ich als Leutnant verließ, und Italien. Vom Gebirgsjäger wurde ich zum "Eichenlaubjäger". Der Apennin nördlich von Lucca und südlich von Bologna waren die Einsatzorte. Der Rückzug aus Italien endete unweit von Vicenza in amerikanischer Gefangenschaft. Es ging zurück nach Pisa und Livorno, weil die Amerikaner offenbar nicht an ein so schnelles Kriegsende glaubten.
Nach meiner Heimkehr, schon im Sommer 1945, wurde ich als ehemaliger Jungvolkführer in einem englischen Lager bei Graz interniert. Die Tragik fügte es, dass ich in dieser Zeit meine Mutter verlor, nachdem schon 1942 mein einziger Bruder an der Ostfront gefallen war. 1947, nach 17 Monaten wieder in Freiheit, galt es, für die inzwischen dreiköpfige Familie zu sorgen. Da ich nicht ganz schreibunkundig war, versuchte ich mein Glück beim damaligen ÖVP-Organ "Steirerblatt" und wurde tatsächlich aufgenommen.
Leider traf uns wieder ein familiärer Schicksalsschlag. Wir verloren unseren zweijährigen Buben durch eine schwere Lungeninfektion, die damals noch nicht heilbar war. Unsere große Freude ist unsere Tochter Angelika, die das Studium absolvierte, das ihr Vater gerne gemacht hätte, nämlich Völkerkunde. Sie ist als Wissenschaftlerin am Völkerkunde-Museum in Berlin-Dahlem tätig.
Beim Steirerblatt arbeitete ich im Lokalteil und übersiedelte nach Wiedergründung der "Kleinen Zeitung" 1953 zu dieser. Hier ist eine Anmerkung notwendig: In allen Fällen hatte ich es bei den Verlagsleitungen mit ehemaligen Konzentrationshäftlingen zu tun; sie störte meine kurze Vergangenheit in der Hitler-Jugend ebenso wenig wie die Zugehörigkeit zur Wehrmacht.
1954 wurde der Druck der Ausgabe der "Kleinen Zeitung" für Kärnten, das bis dahin von Graz aus versorgt wurde, nach Klagenfurt verlegt. Ich übersiedelte nach Kärnten, das mir zur zweiten Heimat wurde. Nach vier Jahren wurde ich mit der Leitung der Kärnten-Ausgabe betraut und hatte diese bis zu meiner Pensionierung 1991 inne. Die Volksgruppenproblematik lernte ich an Ort und Stelle gründlich kennen. So lange das Tito-Regime herrschte, gab es vor allem zur Nachfolgeorganisation des Partisanenverbandes keine Kontakte. Mit dem Rat der Kärntner Slowenen gab es jedoch enge Verbindungen und ihre Obmänner, Dr. Valentin Inzko (Vater des neu berufenen Hohen Kommissars gleichen Namens ins Sarajevo) und Dr. Reginald Vospernik, kamen in der Kleinen Zeitung regelmäßig zu Wort.
Mit großer Freude wurde die politische Wende im Nachbarland begrüßt. Es schien fast, als wäre die europäische Vereinigung zwischen beiden Staaten vorweggenommen. An der Ausrufung des unabhängigen Staates Slowenien nahmen die Landeshauptmänner von Kärnten, Dr. Christof Zernatto, von Steiermark Dr. Josef Krainer und von Oberösterreich Dr. Josef Ratzenböck, teil. Die Kleine Zeitung organisierte damals Hilfsmaßnahmen für die Hinterbliebenen des kurzen Krieges mit der jugoslawischen Volksarmee 1989.
Bedauerlicherweise kam es in den folgenden Jahren zu einer Abkühlung zwischen Laibach und Klagenfurt. Ursache ist der noch immer schwelende Ortstafelkrieg. Seit drei Jahren gehöre ich mit der "Plattform Kärnten" einer Dialoggruppe an, die um eine Verständigung und ehrliche Versöhnung mit den slowenischen Mitbürgern bemüht ist. Darüber hinaus war ich seit Kriegsende der Überzeugung, dass nur ein geeintes Europa Zukunft für die Menschen bedeutet. So stieß ich früh zu den Europäischen Föderalisten und lernte in der Europahochburg Forchtenstein Angehörige der Banater Schwaben, mit Erwin Ţigla an der Spitze, kennen und schätzen. Soweit es meine Möglichkeiten erlaubten, bin ich seither um die Versorgung mit Medikamenten und anderer notwendigen Bedarfsgegenstände bemüht. Obwohl ich bedingt durch Alter und Rücksichtnahme auf meine Frau nie im Banater Bergland war, glaube ich dieses gut zu kennen. Ich habe noch den etwas vorwurfsvollen Ton im Ohr, mit dem Erwin einmal so beiläufig bemerkte, ich sei der einzige "Alexander Tietz"-Preisträger, der nicht im Bergland gewesen ist. Wann und wo immer es möglich ist, trete ich publizistisch für die Angehörigen der deutschen Volksgruppen in Ost- und Südosteuropa ein. Seit zwei Besuchen in Hermannstadt verbindet mich mit dem bekannten Schriftsteller Joachim Wittstock eine enge Brieffreundschaft. In Klagenfurt lernte ich den jungen Stipendiaten Alexander Gerdanovits aus Temeswar kennen und schätzen.
Die enge Verbindung mit Erwin Josef Ţigla ist für mich der wichtigste Kontakt zum Banater Bergland. Soweit es meine Kräfte erlauben, bin ich weiter für die Gottscheer Landsmannschaft, die Kärntner Landsmannschaft und den Alpenländischen Kulturverband Südmark tätig. Das Ziel bleibt ein friedliches Europa.

Preisträger 2002

Univ.-Prof. Dr. Reinhold Reimann, Graz, Österreich

Lebenslauf: Reinhold Reimann

- Geboren am 15. September 1941 in der obersteirischen Bergstadt Leoben
- Vater: Bruno Reimann, Baukaufmann
- Mutter: Maria, geb. Tschach, Dipl.-Krankenschwester
- Kindheit und Volksschule in St. Peter - Freienstein bei Leoben
- 1952 Bundesrealgymnasium Leoben, dort Matura 1960 mit Auszeichnung
- 1960 Studium der Medizin an der "Karl-Franzens"-Universität Graz
- 1969 Promotion zum Dr. med. univ.
- Verheiratet seit 1968 mit Mag. phil. Renate, geb. Petz; drei Kinder: Reinhard (1970), Hilburg (1971), Hedwig (1973)

- 1971 Präsenzdienst beim Österreichischen Bundesheer, 1973 Oberleutnantarzt der Reserve
- 1964 Demonstrator, 1967 wissenschaftliche Hilfskraft, 1969 Assistent, 1983 Dozent, 1991 ao. Universitätsprofessor am Anatomischen Institut der Universität Graz; seit 2006 im Ruhestand
- Seit 1996 Lehrbeauftragter für Anatomie an der Fachhochschule "Joanneum" Graz (Studiengang Biomedizinische Analytik)
- Obmann des Alpenländischen Kulturverbandes "Südmark" seit 1993

Bezug zum Banater Bergland

- Erste Begegnung mit dem Banater Bergland 1986 im Rahmen einer Sängerfahrt der Akademischen Sängerschaft "Gothia" ins Banat und nach Siebenbürgen. In der Folge Organisation zahlreicher weiterer Sänger-, Kultur- und Hilfsfahrten zu den Rumäniendeutschen vor und nach der Wende.
- Erstes Ehrenmitglied des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereines "Deutsche Vortragsreihe Reschitza" (1990).
- Ständige Teilnahme an der "Deutschen Kulturdekade im Banater Bergland" seit 1992.
- Mitinitiator des deutschen Sprachschul-Ferienkurses "Deutsch in Wolfsberg" (1995).
- "Alexander-Tietz"-Preis 2002.
- Ehrenbürger von Reschitza / Reşiţa, 2004.
- Ehrenbürger von Anina - Steierdorf, 2005.
- Schriftführer der Menschenrechtsorganisation "Deutsche Weltallianz" seit 2005.

Preisträger 2001

Max Wratschgo, Feldbach, Österreich

Lebenslauf: Max Wratschgo

Geboren am 2.07.1937 in Pogier / Parschlug (Bezirk Bruck/Mur, Steiermark)
1943 - 1947 Besuch der Volksschule in Trautmannsdorf (Bezirk Feldbach)
1947 - 1951 Besuch der Hauptschule in Feldbach
1951 - 1956 Besuch der Bundeslehrerbildungsanstalt in Graz
1956 - 1977 Lehrer an verschiedenen Volks- u. Sonderschulen in der Steiermark
1977 - 1979 Leiter der Allgemeinen Sonderschule Feldbach
1980 - 1997 Leiter der Volksschule I Feldbach
1955 Gründer des Bundes Europäischer Jugend Steiermark
1959 - 2006 Mitglied des Bundeskomitees der Union Europäischer Föderalisten (Dachorganisation der Europäischen Föderalistischen Bewegung Österreich, Sitz in Brüssel)

1959 - 1976 Bundesobmann des Bundes Europäischer Jugend 1968 - 1996 Bezirksjugendreferent der Steiermärkischen Landesregierung für den Bezirk Feldbach
1968 - 1998 Geschäftsführer der Österreichischen Organisationen der Europäischen Bewegung - Europäische Bewegung Österreich
Seit 1972 Geschäftsführender Vorsitzender des Europahauses Neumarkt / Stmk.
1974 - 2007 Bundesobmann der Europäischen Föderalistischen Bewegung. Seit 1974 Mitglied des Präsidiums des Europäischen Erzieherbundes Österreichs
1975 - 1987 Mitglied des Vorstandes der Union Europäischer Föderalisten (davon 3 Jahre Schatzmeister und 6 Jahre Vizepräsident)
Seit 1985 Kassier des Europäischen Erzieherbundes, Landesverband Steiermark
1985 - 1996 Generalsekretär der Österreichischen Föderation der Europahäuser
Seit 1988 Mitglied des Landesvorstandes der Liga für die Vereinten Nationen
Seit 1998 Vizepräsident der Österreichischen Organisationen der Europäischen Bewegung - Europäische Bewegung Österreich
Seit 1990 Vizepräsident des Freundschaftsvereines Baranya/Steiermark (BASTEI) und steirischer Präsident
Seit 2008 Ehrenpräsident der Europäischen Föderalistischen Bewegung Österreich (EFBÖ)

Ehrungen:

1976 Verleihung des „Mérite Européen in Silber“ im Rathaus von Luxemburg
1987 Verleihung der „Ehrenbürgerschaft der Marktgemeinde Neumarkt / Stmk.“
1987 Verleihung des „Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark“
25.05.1993 Ehrenmitglied des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“
1997 Verleihung des „Goldenen Ehrenzeichens für die Verdienste um die Republik Österreich“
2000 Verleihung des „Goldenen Verdienstzeichens des Landes Oberösterreich“
2000 Verleihung der „Goldenen Ehrennadel der Europäischen Föderalistischen Bewegung Österreich“
2000 Verleihung „Pro Comitatu Baranya“
2001 Verleihung des „Alexander Tietz“-Preises (höchste Auszeichnung der Banater Berglanddeutschen)
2002 Verleihung des „Goldenen Ehrenzeichens des Europäischen Erzieherbundes Österreich“
2003 Verleihung des „Großen Ehrenzeichens des Landes Steiermark“
28.03.2005 „Styrian Award for Humanity” durch Bundeskanzler a.D. Helmut Kohl und Präsident a.D. Michail Gorbatschow
2004 Verleihung des „Goldenen Ehrenzeichens mit Stern“ von der Europa-Union Deutschland
2005 Verleihung der „Ehrenbürgerschaft der Stadt Karansebesch / Rumänien“
2006 Verleihung des „Mérite Européen in Gold“ im Europahaus Neumarkt
2007 Verleihung des „Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich“
2007 Verleihung des „Großen Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark“

Preisträger 2000

Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupşiasca , Reschitza, Rumänien

Laudatio auf Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupşiasca
von Erwin Josef Ţigla
Leiter des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza”

Am 9. Januar 2000 waren es 10 Jahre seitdem das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen aus der Taufe gehoben wurde. Das Geschick dieser Organisation leitete in 8 Jahren von den 10 ihrer Existenz, als Vorsitzender, Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupşiasca.

Wer ist unser heute Geehrter?

Karl Ludwig Lupşiasca wurde am 7. Juni 1935 in Lugosch geboren. Dort besuchte er die Grundschule und absolvierte ebenfalls in Lugosch das „Coriolan Brediceanu“-Lyzeum. Ebenfalls hier besuchte er auch die Kunstschule, wo er Geige studierte. Weiter besuchte er das Politechnikum in Temeswar, die Mechanische Fakultät, Wasserkraftmaschinen, das er im Jahre 1958 absolvierte.
Der junge Ingenieur kam nach Reschitza, infolge der Zuteilung von der Hochschule und blieb hier bis heute. Er heiratete hier 1964 seine Frau Hildegard Bähr, die ihm zwei Töchter gebar: Gudrun (1967), zurzeit in Deutschland lebend und Edda (1975), Lehrerin für Deutsch als Muttersprache in Reschitza.
Als Entwurfsingenieur für Wasserturbinen und später Abteilungsleiter (seit 1965) in der Entwurfsabteilung des Maschinenbaubetriebs war er ein anerkannter Fachmann. Er schrieb zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der hydraulischen Maschinen, Arbeiten über die angewandte Technik im ländlichen Bereich. Als Hobbyhistoriker widmete er sich der Geschichte des Banater Berglands, besonders der der Banater Berglanddeutschen. Er schreibt zahlreiche Artikel diesbezüglich in der deutschsprachigen Presse: „Neuer Weg”, heute „ADZ”, „Neue Banater Zeitung” u.a. In den Jahren 1982 - 1990 erschien in der „Neuen Banater Zeitung” die Folgeserie „Arbeiterstadt im Wandel der Zeit”. Über die hiesige Geschichte hielt er verschiedene wissenschaftliche Vorträge, u.a. auch innerhalb der „Deutschen Vortragsreihe Reschitza“.
Am 9. Januar 1990 wurde er zum ersten Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen gewählt, eine Funktion, die er 8 Jahre in dessen 10-jährigen Existenz bekleidete.
Er ist seit 1990 Herausgeber der „Heimathefte der Banater Berglanddeutschen”, als Organ des DFBB. 1997 erschien sein Buch: „Dieses von Natur aus reiche Land: Eine Geschichte des Banater Berglands in der Zeitspanne 1718 - 1855”, herausgegeben vom Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ im Bukarester „ADZ“-Verlag. Dr. Rudolf Gräf schrieb eine Rezension über diese Erscheinung unter dem Titel: „Akribisch dokumentiertes Geschichtsbuch” in der „ADZ“ vom 21. November 1997.
Im Jahre 1997 gründete er zusammen mit Josef Ruzicska und Karl Stoianovici das „Banater Bergland”-Trio, eine Musikgruppe, die bereits im In- und Ausland bekannt ist.
Als Vorsitzender des DFBB, als stellvertretender Vorsitzender des DFBD, zuständig für das Banater Bergland und als Mitglied des Vorstands des DFDR ist Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupşiasca bestrebt, Identität, Kultur, Lehrwesen und Geschichte der hiesigen Deutschen aufrechtzuerhalten. Wo immer er auch in dieser Funktion auftritt, wird er für seine Stellungsnahmen und Beiträge geschätzt und gewürdigt.
Die Banater Berglanddeutschen sind Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupşiasca für all die Jahre, die er dem DFBB gewidmet hat, dankbar. Für all die Kraft und Mühe, die er in dieser ehrenhaften, für ihn zur Lebensaufgabe entfalteten Leistung eingesetzt hat, gebührt ihm unser ehrlicher Dank.
Der 10. Geburtstag des DFBB gibt uns die Möglichkeit, ihm den „Alexander Tietz”- Preis für das Jahr 2000 als Anerkennung und Dank für die 10 Jahre Forum in Reschitza zu verleihen.
Wir gratulieren Dipl.-Ing. Karl Ludwig Lupşiasca zur Preisverleihung und wünschen ihm noch recht viele Jahre zu Gunsten der deutschen Gemeinschaft im Banater Bergland.

Reschitza, den 1. Februar 2000

Preisträger 1999

Dr. Traute Kocman-Lorinser, Graz, Österreich

Laudatio auf Frau Traute Kocmann-Lorinser

von Erwin Josef Ţigla
Leiter des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza”

Für uns Banater Berglanddeutschen ist der Name Traute Kocmann-Lorinser seit vielen Jahren kein unbekannter mehr. Dieser Name verbindet die Steiermark und das Banater Bergland, er bedeutet Mühe, Aufopferung und Großzügigkeit! Wenige sind es aber, die Einzeleinheiten aus dem Leben und Schaffen von Frau Traute Kocmann-Lorinser wissen.

Wer ist unser heute Geehrter?

Sie wurde am 28. August 1913 in Wien geboren, die Hauptstadt Österreichs, wo sie auch die ersten Volksschulklassen besuchte. 1924 übersiedelte sie mit den Eltern in die Heimat des Vaters: in die Steiermark. Nach dem Besuch der Lehrerinnenbildungsanstalt legte Traute Kocmann-Lorinser im Jahre 1932 die Reifeprüfung für Volksschullehrerinnen ab.
Der erste Kontakt zu deutschen Sprachinseln kam im Winter 1935, als sie die Gottscheer kennen lernte. In den folgenden Jahren half sie in der Jugendarbeit, besonders als Singleiterin, dem „Schwäbisch-Deutschen Kulturbund” in der Untersteiermark, in Marburg, Pettau und Cilli.
Den ersten Kontakt mit den Rumäniendeutschen knüpfte sie 1939 anlässlich einer Reise nach Siebenbürgen und ins Banat. Sie lernte auch die „vergessenen Steirer” im Banater Bergland kennen.
Im Laufe des II. Weltkriegs war sie in Marburg tätig, 1949 heiratete sie und bekam 1950 eine Tochter, die mittlerweile auch im Banat bekannt ist.
Im Jahre 1959 wurde Traute Kocmann-Lorinser in den Vorstand des Alpenländischen Kulturverbands „Südmark” berufen. Aus den Erfahrungen der Arbeit in den Jugendjahren verwertete sie ihre Kenntnisse, indem sie sich für die Patenschaftsarbeit für die steirischen Grenzlandschulen von Soboth bis St. Anna a. A. einsetzte.
In Jahre 1960 trat sie wieder in den Schuldienst ein und war bis 1978 in der steirischen Landeshauptstadt Graz als Elementarlehrerin tätig. Sie war u.a. auch Mentor der Pädagogischen Akademie. Als 65-Jährige trat sie in die wohlverdiente Rente über. Seit dann ist sie im Rahmen des Vorstands des Alpenländischen Kulturverbands aktiv. In den Jahren 1984 - 1992 bekleidete sie die Funktion eines stellvertretenden Obmanns des Verbands.
1981 nahm sie wieder Verbindung zum „äußersten Steirerposten” Europas, das Banater Bergland, auf. In den schwierigen Jahren der kommunistischen Diktatur in Rumänien leitete sie eine Lebensmittelpakete -Aktion ein, um den Altösterreichern im Banater Bergland behilflich zu sein. Es waren über 2.000 Lebensmittelpakete zu je 12 kg, die per Bahn ins Bergland gesandt wurden. Viele Alte, Kranke und Kinder waren Nutznießer davon und damit wurde vielleicht so manchen der schönste Lebensaugenblick gewährt. Dankesbriefe und -tränen bekam sie von Jung und Alt, von Alleinstehenden und von vielköpfigen Familien. Selbstverständlich hat sie das alles nicht alleine geleistet. Mit Hilfe und Unterstützung staatlicher Subventionen und privater Spenden ist es ihr gelungen, ein Auge auf das Banater Bergland und seine Altösterreicher zu richten.
Für all diese guten Taten und weiteren Beitrag zur Unterstützung der Banater Berglanddeutschen wurde sie vielseitig ausgezeichnet. So erhielt sie am 16. Januar 1987 das Ehrenzeichen im Gold der Landeshauptstadt Graz und am 20. Juni 1990 das Große goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark.
Auch nach der Wende hatte sich Traute Kocmann-Lorinser voll für das Banater Berglanddeutschtum eingesetzt. All ihr Wissen und Können, all ihre Freundes- und Bekanntenkreise setzte sie dafür ein und es gelang ihr, so manche Initiativen zu verwirklichen, von denen man sonst nur träumen konnte. Als besonders wichtig galten für sie die Kinderferienaktionen, die sie seitens der „Südmark” seit der Wende betreute.
Die gesamte Tätigkeit zum Wohle der Altösterreicher im Banater Bergland wurde von diesen sehr hoch geschätzt. Die persönlichen Kontakte der führenden Leiter dieser Volksgruppe im Süd-Westen Rumäniens mit Traute Kocmann-Lorinser verhalfen zu neuen und verschiedenartigen Initiativen im schulischen und kulturellen Leben.
Als erste Anerkennung seitens des Banater Berglandes für ihre unermüdliche Tätigkeit wurde Traute Kocmann-Lorinser am 17. September 1991 zum Ehrenmitglied des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza” ernannt.
Der am 9. Januar 1999 ins Leben gerufene „Alexander Tietz”-Preis für das Jahr 1999, als höchster Preis des Banater Berglanddeutschtums, wird am 10. Juni 1999, zum 21. Sterbetag des bekannten berglanddeutschen Schriftstellers und Volkskundlers Alexander Tietz, zum ersten Mal, an Traute Kocmann-Lorinser als Anerkennung für ihren 18–jährigen ununterbrochenen Einsatz zugunsten und zum Wohle des Banater Berglands vergeben. Damit danken die Altösterreicher des Banater Berglands für ihr Schaffen und Wirken und wünschen Traute Kocmann-Lorinser Gesundheit und Wohlergehen!

Reschitza, im Juni 1999